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VOR 50 JAHREN
HELMUT SCHÖNS AMTSANTRITT UND DAS ENDE DER ERSTEN BUNDESLIGA-SAISON
von dieser Reform eine größere, eine
intensivere Leistungsdichte erhoffte.
Doch Tilkowski war skeptisch. Unter
anderem deshalb, weil er, der gelern-
te Bauschlosser mit anschließender
kaufmännischer Ausbildung, den
Beruf aufgeben musste.
Als vor genau 50 Jahren im Mai 1964
mit dem Abpfiff der ersten Bundes­
liga-Saison der Aufbruch zum großen
Umbruch des Profifußballs inDeutsch-
land vollzogen war, zog er eine erste
Bilanz. „Hatten wir vorher viermal,
fünfmal in der Woche trainiert, wur-
den plötzlich zwei Trainingseinheiten
pro Tag angesetzt“, sagt Tilkowski, der
finanziell keinen adäquaten Ausgleich
entdecken konnte. „Die Grundge­
hälter lagen zwischen 800 und 1.000
Mark, ich habe als Nationalspieler
1.200 Mark erhalten. Im Europa­
pokal gab es eine Höchstprämie von
250 Mark, und die Teilnahme an einem
Länderspiel galt als Ehrensache“.
fußballs gespielt: Gegen George Best
und Eusebio, gegen Augusto, Simoes,
gegen Bobby Moore, Bobby Charlton,
Woronin, Masopust, Coluna, Jimmy
Greeves und den famosen Pelé. Und
mit Franz Beckenbauer, mit Uwe
Seeler, mit Wolfgang Overath, mit
Helmut Haller. Mit Günter Netzer:
„Bei dessen erstem Länderspiel,
1965 gegen Österreich, bin ich Kapi-
tän gewesen.“
„Länderspiel-Teilnahme
galt als Ehrensache“
Hans Tilkowski, der „Straßen-Fuß-
baller“ aus Husen und sein sagen­
hafter Werdegang, der ihn auch an
einer historischen Entwicklung teil-
haben ließ: 1963 wurden die inter­
national nicht konkurrenzfähigen
Oberligen abgeschafft und die Bun-
desliga als höchste deutsche Spiel-
klasse eingeführt. Unter anderem auf
Betreiben Sepp Herbergers, der sich
Es war der Anfang einer einzigartigen
Karriere, einer märchenhaften Lauf-
bahn, deren Schwerpunkte kaum zu
markieren sind. Wo soll er anfangen,
wo aufhören?
Von Husen nach Kaiserau. Von Kai-
serau 1955 für 3.000 Mark Ablöse
zur Herner Westfalia, die damals, zu
seligen Oberligazeiten, kaum zu
glauben, an Schloß Strünkede um
die Deutsche Meisterschaft spielte.
Von Herne zur Dortmunder Borussia
(Ablöse maximal 50.000 Mark), die
1965 den DFB-Pokal gewann, im
selben Jahr Bundesliga-Vizemeister
wurde und wenige Monate später als
Europacup-Gewinner der Pokalsieger
triumphierte: „Sagenhafte Erfolge“
sagt Hans-Tilkowski, der 1965 auch
zu Deutschlands „Fußballer des
Jahres“ gewählt wurde.
Er hat mit den und er hat gegen
die großen Kapazitäten des Welt­
ERINNERUNGSALBUM: HANS TILKOWSKI MIT GÜNTER SAWITZI (LINKS)
UND WOLFGANG FAHRIAN (MITTE), DEM KONKURRENTEN AUF DER TORWART-POSITION.
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