CdN Newsletter 18 - page 27

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ales Engagement, sein Einsatz für
leidende, für notleidende Mitmen-
schen. „Ich habe mittlerweile rund
zwei Millionen Euro zusammenge­
bettelt“, sagt Tilkowski, der jetzt dabei
ist, einen Bolzplatz an einer ganz be-
sonderen Schule einzurichten – an
jener nämlich, die nach ihm benannt
wurde, an der Herner Hans-Tilkowski-
Schule, an der Kinder aus 31 (!)
Nationalitäten unterrichtet werden.
So gibt er, inzwischen für seine
Aktivitäten hoch dekoriert mit dem
Bundesverdienstkreuz am Bande, mit
der Stauffer-Medaille von Baden-
Württemberg, mit dem Verdienst­
orden des Landes Nordrhein-West­
falen, mit dem Bundesverdienstkreuz
erster Klasse, ein Stück von jenem
Glück zurück, das er seinem Lieb-
lingssport zu verdanken hat: „Der
Fußball war alles für mich. Ich hatte
nichts, als ich anfing. Ich habe
Rasierklingen verkauft und Fahrräder
bewacht, um mir die paar Mark für
den Mitgliedsbeitrag in einem Verein
leisten zu können.“
Zweiter 1976. Der sensible Sachse
verkörperte mit seiner behutsamen
Mannschaftsführung, die auf den
„mündigen“ Spieler vertraute, eher
ein Kontrastprogramm zu Herberger,
und setzte in der folgenden Zeit des
auch gesellschaftlichen Aufbruchs
zum Umbruch Kräfte frei, die sich
unter einem autoritären Trainer so
wohl nicht hätten entwickeln können.
Vorbildlich: Tilkowskis
soziales Engagement
Dennoch möchte Hans Tilkowski bei
aller Hochachtung und trotz aller
Erfolge Helmut Schön nicht mit dem
berühmten Vorgänger auf die oberste
Stufe hieven. „Sepp Herberger war
unvergleichlich, einmalig. Kein ande-
rer Bundestrainer, der nach ihm
kam, ist an ihn und seine heraus­
ragende Persönlichkeit herange­
kommen“, sagt er.
Hans Tilkowski lebt vor, was er for-
dert – insbesondere die Menschlich-
keit. Geradezu legendär ist sein sozi-
„Ich habe plötzlich einen anderen
Sepp Herberger kennen gelernt. Dass
er seine Meinung meistens durch­
gesetzt hat, wusste ich. Aber mir war
neu, dass er die Größe hatte, seine
Meinung auch zu revidieren. Denn das
hat er gerade in meinem Fall ver­
deutlicht“, erinnert sich Tilkowski
und bekräftigt mit eherner Festigkeit:
„Wäre Sepp Herberger nicht auf mich
zugekommen, hätte ich kein einziges
Länderspiel mehr gemacht.“
Dann aber doch wieder. Mit 39 Län-
derspielen ist er zum damaligen Zeit-
punkt Rekord-Nationaltorwart ge­
wesen, als er am 8. April 1967 in
Dortmund beim 6:0 gegen Albanien
von der internationalen Bühne abtrat.
Als unumstrittene Nummer eins.
Erste Wahl war er auch geblieben,
als im Herbst 1964 Helmut Schön die
Nachfolge Herbergers antrat und
damit die „goldene Ära“ der National-
mannschaft begann: Vizeweltmeister
1966, WM-Dritter 1970, Europameis-
ter 1972, Weltmeister 1974, EM-
KONTRASTPROGRAMM ZU HERBERGER: HELMUT SCHÖN,
EIN SENSIBLER BUNDESTRAINER FÜR MÜNDIGE SPIELER.
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