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spätere Dresdner Goalgetter Hans-
Jürgen Kreische und das Zwickauer
Torwart-Idol Jürgen Croy gehörten
zu dieser Erfolgself.
Auch Sparwassers Debüt
gemeinsammit Hamann
Jürgen Sparwasser debütierte 1969
in der DDR-Nationalmannschaft
gegen Chile, interessanterweise
gemeinsam mit Erich Hamann. Im
Gegensatz zu seinem kongenialen
Passgeber beim Hamburger WM-
Spiel, dessen Nationalteam-Karriere
nach drei Einsätzen zu Ende war,
brachte Sparwasser es auf 53 Län-
derspiele, bestritt seine letzte
Begegnung im Auswahl-Trikot 1977
im WM-Qualifikationsspiel gegen die
Türkei. 19 Tore markierte er bei
seinen Einsätzen. Der Hamburger
Treffer war wohl von allen der im
wahrsten Sinne des Wortes funda-
mentalste. Er selbst hat es so formu-
liert: „Wenn auf meinem Grabstein
eines Tages steht ‚Hamburg 1974’,
weiß jeder, wer darunter liegt.“
Jürgen Nöldner
Ein paar Wochen zuvor gewann
der gebürtige Halberstädter mit
dem 1. FC Magdeburg den Europa-
pokal der Pokalsieger mit einem
2:0 beim Finale in Rotterdam ge-
gen den AC Mailand – es war der
einzige internationale Pokalgewinn
eines DDR-Fußballklubs. Jahrelang
hatte es Sparwasser und seine
Magdeburger WM-Mitstreiter Wolf-
gang Seguin, Martin Hoffmann und
Jürgen Pommerenke gewurmt,
dass sie diesen einmaligen Erfolg
nicht auskosten konnten. Während
der Rest der Mannschaft sich näm-
lich nach der Rückkehr in Magde-
burg feiern ließ, mussten die vier
Nationalspieler sofort von Rotter-
dam ins triste Trainingslager nach
Schweden reisen.
Aufgegangen war Sparwassers
Stern als Torjäger eigentlich schon
1965, als die DDR-Juniorenauswahl
das UEFA-Turnier, Vorläufer der
heutigen Europameisterschaft, mit
einem dramatischen 3:2-Erfolg im
Endspiel gegen England gewann,
wobei der Magdeburger für die
1:0-Führung gesorgt hatte. Auch der
später jedoch eines Besseren: Auf die
Frage nach den wichtigsten Toren
der deutschen Fußballgeschichte
rangierten Helmut Rahns Siegtor im
Finale der WM 1954 in der Schweiz
gegen Ungarn, das umstrittene
Wembley-Tor im WM-Endspiel 1966
durch die Engländer und der Treffer
von Jürgen Sparwasser auf den
ersten drei Plätzen.
Am Abend nach dem denkwürdigen
Sieg von Hamburg ging es im DDR-
Quartier ein bisschen feucht-fröh
licher zu als ansonsten von Trainer
Buschner gestattet, ein paar Biere
mehr wurden kredenzt. Der eigenwil-
lige und selbstbewusste DDR-Coach
hatte allerdings dafür gesorgt, dass
bei dieser Feier DDR-Funktionäre
nicht zugelassen wurden, die sich
jenen Sieg politisch auf die Fahnen
schreiben wollten. „Für uns war dies
ein Spiel wie alle anderen bei der
Weltmeisterschaft, auch wenn mir
das niemand glaubte. Aufgeblasen
wurde es doch nur durch die Funk
tionäre“, erinnert sich Sparwasser.
Für den Mittelstürmer ist ein an
derer Erfolg viel höher angesiedelt.
AUCH NACH DER KARRIERE NOCH SPORTLICH AKTIV:HAMANN UND SPARWASSER 2008 BEI EINEM SPIEL DES DDR-OLDSTAR-TEAMS.